Kithira, die Insel mit den 1000 Gesichtern

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Wenn du Party machen, abends deine Klamotten zur Schau stellen willst, dann kannst du hier aufhören weiter zu lesen.
Wer auf Ruhe, Erholung und Abgeschiedenheit steht, der ist hier richtig, der sollte unbedingt weiter lesen.
Kithera ist nicht so klein, die Bevölkerungsdichte aber sehr gering. Erstaunlicherweise ist der Gesamteindruck der Insel unglaublich gut. Aufgeräumt, ziemlich sauber, und der Zustand der Strassen besser als so manche hier in Deutschland.
Kithera ist eine vergleichsweise reiche Insel, dafür sorgen die Touristen aus Australien. Sehr viel Griechen sind wohl irgendwann mal nach Australien ausgewandert und kommen regelmässig nach Hause zurück. Sie sorgen wohl auch dafür, dass die Insel in diesem guten Zustand ist.
Auf die Insel zu kommen kann abenteuerlich sein. Unser erster Gedanke war, die haben einen Flughafen, also fliegen wir. Die Preise waren dann allerdings so teuer, dass wir uns eine Alternative überlegt haben. Zur Auswahl stand ein Flug nach Athen oder Kalamata und dann die Weiterfahrt mit dem Leihwagen zum Fährhafen Neapoli. Von dort aus geht regelmässig eine Fähre nach Kithera. Die Planung erfordert etwas Geschick, damit alle Daten passen, die Tickets gebucht und der Urlaub entspannt beginnen kann.
Unsere Route war Flug Frankfurt – Kalamata, Leihwagen Fahrt nach Neapolis (ca 200km, 3h), Übernachtung in Neapoli und Überfahrt am nächsten Tag nach Kithera. Das klappte sehr gut. Du kannst Kithera schon deutlich von Neapoli aus sehen. Dennoch dauert die Überfahrt etwas mehr als eine Stunde….. es geht sehr langsam vorwärts, ist aber landschaftlich unglaublich schön und nicht langweilig.
Näherst du dich dem Fährhafen Diakofti, verschlägt es dir beim Anblick des türkis schimmernden Wasser fast den Atem. Hier sieht der Strand aus wie Karibik. Ein toller erster Eindruck. Du fährst von der Fähre Richtung Inselinneres und denkst:  oh Gott, wo bin ich hier gelandet.
Karge Hügellandschaft begrüßt dich, die aber zur Mitte der Insel ganz schnell ihr Gesicht verändert. Man denkt, auf jedem Kilometer wechselt die Landschaft, sensationell. Von flachem mit Büschen besetzte Flächen wechseln mit Pinienwäldern und toskanisch anmutenden Landstrichen. Im Westen schroffe, steil abfallende Felsen, im Osten eher flacher werdend, und auf der ganzen Insel verteilt: Steine! Steinmauern, Steinhäuser, Steinhaufen, alte Steine, neue Steine, große Steine, kleine Steine, Steine wohin man schaut. Wir lieben Steine! Auf der Insel gibt es Geschichte! Steine! Erwähnte ich die Steine? Viele Steine! Ruinen, zerfallene Häuser an die sich „Neubauten“ schmiegen. Das Ganze hat durchaus einen bizarren Charakter. Lass dich drauf ein, du wirst nicht enttäuscht!

Es gibt einige größere Dörfer, die trotzdem sehr überschaubar sind. Eine Art Hauptstrasse zieht sich von Nord nach Süd, eine weitere von der Inselmitt nach Westen. Es empfiehlt sich vorort die  angebotene „Wanderkarte“ zu kaufen. Mit ihrem Maßstab 1:35000 sind auch kleine Wege eingezeichnet und man kann die entlegneneren Dörfer erkunden.
Die Karte gibt es beispielsweise südlich von Potamos in dem kleinen Supermarkt. In Chora haben wir die Karte auch gesehen. Der Zustand der Straßen ist zum größten Teil exzellent.
Jeder Ort hat seinen ganz eigenen Charme.
Nur als Beispiel, von Norden angefangen (es gibt noch so viele weitere Beispiele):
Platia Ammos: nicht weiter erwähnenswert, etwas Strand, ein paar kleine Boote
Agia Pelagia: der touristischste Ort, direkt am Wasser, Läden zum Flanieren, Tavernen in Hülle und Fülle, man kann direkt am Strand sitzen, Strand, Boote, Blick auf den Peleponnes.
Potamos: die heimliche Hauptstadt….. mini Dorfplatz, wunderschöne Kirche, ein paar Läden, Tavernen und Cafés, alles was man zum täglichen Leben braucht auf kleinster Fläche.
Aroniadika: die Mitte der Insel, denkmalgeschütztes Dorf (eines der ältesten), direkt an der Haupstrasse ein Kafenion, eine gute Taverne und ein großer Supermarkt. Wunderschöne Kirche und ziemlich zerfallene Häuser. Unser Quartier befand isch in diesem Ort. Aus einem Steinhaufen hat ein Schweizer Ehepaar ein wunderbares Feriendomizil geschaffen (www.kythera.ch).
Livadi: Richtung Süden, der nächstgrößere Ort, hier kriegt man auch alles
Mylopotamos: kleines Dorf, Taverne „Platanos“, stark frequentiert (teils Busse), Mühlental zum Wandern
Kithira/Chora: auf dem Bergrücken gelegen, tolles Kastro zum Besichtigen mit atemberaubendem Blick aufs Meer, schöner Dorfplatz, unbedingt dort Platz nehmen und einen Frappé bestellen. Hier kommen ganz oft Busse an, hier haben wir die meisten Menschen gesehen.
Kapsali: Anhängsel von Chora, allerdings am Strand gelegen, Tavernen
Avlemonas: kleines Dorf, Bilderbuchidylle, Postkartenmotiv, winzige Bucht, Tavernen
Diakofti: Fährhafen, ein paar Tavernen, Traumstrand, winzig klein

Wir finden, jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden und sich das aussuchen, was für ihn am besten passt. Was uns gefällt muss anderen noch lange nicht gefallen. Es gibt tolle Ruinen zu besichtigen, Paleochora oder auch Kato Chora, Windmühlen, Mühlen ansich etc
Man muss nur mal die Augen auf halten.
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Und dann wären da noch die Badegelegenheiten.
Die meisten  Strände sind verglichen  mit anderen Inseln super klasse zu erreichen.
Ausserhalb der Reisezeit sind sie menschenleer und das Wasser klar und wohl temperiert (September, 26 Grad). Hier kann sich jeder aussuchen, was ihm gefällt. Es gibt tolle Buchten zum Schnorcheln, dann wieder Buchten, die einfach nur klasse zum Schwimmen sind, es gibt Strände mit dicken Steinen, kleinen Kieseln oder auch etwas Sand. Je nach Windrichtung findet sich immer ein wunderschönes Plätzchen zum Sonne tanken und im warmen Wasser seine Bahnen zu ziehen.

Wir reisen prinzipiell ausserhalb irgendwelcher Ferien, so dass zum jetzigen Zeitpunkt (Ende September) die Insel wie leer gefegt ist. Man muss halt damit leben, dass nicht mehr alle Tavernen und Geschäfte offen sind, das Angebot ist aber dennoch ausreichend. Supermärkte und Tankstellen sind in genügender Anzahl vorhanden und ganz prima sortiert.
Große Hotelkomplexe sucht man hier vergebens. Den Tourismus würde ich als sanft und unaufdringlich bezeichnen.
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Die perfekte Insel um sich einfach treiben zu lassen !
Lausche dem Wind und den Wellen, denn das ist auf dieser Insel das lauteste Geräusch !

Für die Rückfahrt mit der Fähre empfiehlt es sich rechtzeitig die Tickets zu holen, wir hatten Glück, unsere Fähre war bereits ausgebucht und es gab glücklicherweise eine zweite Verbindung an diesem Tag. Behalte das mal im Hinterkopf. Die Abfahrtszeiten sollte man sich aktuell beschaffen, den Fahrplänen sollte man nur bedingt trauen.
Durch diesen Umstand kamen wir in Neapoli gegen Mittag an und hatten noch den ganzen Nachmittag um etwas zu unternehmen.
Ein weiteres Highlight ist die Insel Elafonossos, bekannt durch einen karibischen Strand.
Elafonissos ist von Neapoli nur ein paar Kilometer entfernt. Wir fuhren also zur Ablegestelle der Fähre, ließen unser Auto stehen und fuhren mal eben zum Essen auf die Insel… Dauer 10min, Prei 1 Euro pro Person.
Auf dem Festland waren nämlich alle Tavernen zu, auf der Insel waren noch einige offen und wir hatten Hunger. Über die Erfahrung in der ausgewählten Taverne  möchte ich mich gar nicht weiter äußern. Ich sage nur soviel, die lassen sich die exponierte Lage bezahlen, Tzatziki mit fettreduziertem Joghurt (klebt noch immer am Gaumen), schlecht präparierte Gavros (bitter, bäh), überzogene Preise ein Reinfall.
Egal, nach dem Essen fuhren wir wieder zurück um am Strand nochmal baden zu gehen. Wir waren auf weiter Flur alleine, das türkisblaue Wasser war so unwirklich, der Strand gleißend hell. das Wasser war…… arschkalt. Wir verwöhnt mit 26 G-27 Grad, rannten ins Wasser, in Erwartung der schönen Badetemperaturen, um dann festzustellen, dass das Wasser hier echt kalt war….. 22 Grad, es kostete echt Überwindung….. schön wars trotzdem.
Am nächsten Tag ging es dann von Neapolis aus nach Kalamata, wo unser Flug pünktlich Richtung Frankfurt abhob.

Zum Flug muss ich noch was loswerden: Condor, mach nen Haken dran. Billigflug hin oder her, das war echt unverschämt. Dass sie die Pappbrötchen verkaufen und für alkoholische Getränke Geld haben wollen sehen wir ja noch ein.
Auf dem Rückflug kündigte man an, es gäbe weder Kaffee noch Tee (kostenfrei), man entschuldigte sich auch. Aus Kulanz hätten sie ruhig Cola oder Limo ausgeben können. Nö, sie wollten 2,50 Euro pro Getränk. Also echt jetzt? Nee, dann ein einfaches Wasser, kostenfrei.
Wo soll das enden? Musst du dir demnächst einen Pappbecher kaufen und darfst dir dann Wasser auf der Bordtoilette zapfen?
Condor? Nochmal? Das müsste ich mir echt gut überlegen.

Alles in allem hat alles reibungslos geklappt. Wir sind gut erholt und hoffen, die griechische Gelassenheit noch ein wenig in den Alltag retten zu können.

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Ein Kommentar zu “Kithira, die Insel mit den 1000 Gesichtern

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