Azubi im Zentrum der Glut

Jaja, in meinem hohen Alter kann man es tatsächlich noch zum Azubi bringen.
Wie kann das?
Ganz einfach. Man lässt sich zum Juror für Grillwettbewerbe der GBA – German Barbeque Association ausbilden.

Nanu? Bist du nicht sonst immer im Team angetreten? Ist euer Team gar nicht dabei? Diese Frage musste ich sehr häufig und ausgiebig beantworten.
Nein, dieses Jahr sind wir nicht dabei.

Unser Team formiert sich derzeit neu und man wollte die „Neuen“ nicht gleich ins kalte Wasser werfen. Stattdessen haben wir uns alle für den Jury-Kurs entschieden um den Einstieg ein wenig zu erleichtern. Ich muss gestehen, dass wir alte Hasen das auch schon längst hätten tun sollen. Vermutlich hätten wir uns einige Enttäuschungen ersparen können.

Die DGM – Deutsche Grillmeisterschaft 2019 fand am ersten Wochenende im August statt. Wie die letzten Jahre auch war Fulda der Austragungsort. Ein tolles Gelände und man hat schon fast das Gefühl nach Hause zu kommen.
Die anderen Teams, die Aussteller, man kennt sich seit Jahren. Das ist ne große BBQ Familie.
Und wie an Weihnachten kommt man 1x im Jahr zusammen um das gebührend zu zelebrieren.

So, da saßen wir nun im Jury Zelt und tauchten in die Welt des Geschmacksinns, der Wahrnehmung und derBewertungen ab. Es war alles höchst interessant und auch sehr spannend, weil man sich so detailiert noch keine Gedanken um das Konstrukt „Geschmack“ gemacht hat.
Der Schwellwert- und Geschmackstest war der Höhepunkt. Nummerierte Proben nach ihrem Schwellwert zu ordnen (aufsteigend nach Intensität) war weniger schwierig als ich dachte. Aber beim Geschmackstest auf die Optik und das Visuelle zu verzichten und die Geschmäcker zuzuordnen war nicht ganz so einfach.

Es folgte dann der wichtigste und auch der schwerste Teil. Die Theorie zur Bewertung der Einzelbestandteile der zu bewertenden Gerichte. Uli hat das toll gemacht und uns somit auch ein wenig die Angst genommen zu urteilen, zu beurteilen.
Zusammen mit Nina haben wir gemeinsam noch Bilder aus den letzten Jahren angeschaut und „Bewertungen“ zum Beispiel für den Gesamteindruck vergeben.

Feierlich bekam jeder sein Zertifikat und den Jurorenausweis. Irgendwie ein feierlicher Moment, denn nun ging es los, der erste Bewertungsblock startete recht bald.

Das Gute war, dass jeder Trainee (Azubi) mit einem weiteren Trainee und 2 vollwertigen, erfahrenen Juroren gemeinsam zu den Teams ging. Die Trainee Bewertungen gingen nicht in die Bewertung ein, zusammen mit den Juroren konnten wir aber sehr gut unsere Eindrücke mit denen der Juroren abgleichen. Ich für mich selbst war erleichtert, dass meine Einschätzungen zum größten Teil übereinstimmten. Bei den Bewertungen, die anders ausfielen war interessant auf die Erfahrungen der Juroren zurückzugreifen und das Wissen aufzunehmen.

Jetzt stand ich ja auf der anderen Seite und habe sehr interessiert das Wirbeln und Schaffen der Teams beobachten können. Ein bisserl Wehmut schlich sich da ja schon ein.
Andererseits ist der Job als Jury auch sehr viel entspannter. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich besser finde.

Zusammenfassend kann ich sagen, egal ob Amateure oder Profis, ich habe überall Höhen und Tiefen auf dem Teller erfahren, wusste genau, wie die entstanden sind, konnte alles ziemlich genau nachvollziehen. Hut ab vor der Leistung eines jeden, der am Grill stand um den Gästen und Juroren das perfekte Ergebnis zu präsentieren.

Bild: Kasper Damkier

Der tollste Moment ist der, wenn alle Juroren durch die Reihen der Teilnehmer gehen und sich mit Applaus bei den Teams bedanken. Egal auf welcher Seite du stehst, das ist ein sehr emotionaler Moment und du hoffst, dass du damit die Wertschätzung gegenüber der erbrachten Leistungen einigermaßen transportieren kannst.

Die ganze Veranstaltung zu planen und organisieren ist eine Mammutaufgabe. Kaum einer der Besucher und auch nur wenige aus den Teams können sich ausmalen, welcher Aufwand zum einen hinter der Veranstaltung ansich zum anderen hinter der ganzen Bewertungsgeschichte steckt. Vom abgegebenen Wettbewerbsteller bis zum Ermitteln der Platzierungen befindet sich eine riesige Maschinerie, wo ein Rädchen ins andere greifen muss. Fällt z.B. irgendwo ein Juror aus, steht sofort ein Ersatz parat. Unglaublich, wie das funktioniert. Ein ganz großer Dank an Uli und alle anderen unermüdlichen Helfer, die ehrenamtlich ihre Freizeit für diese Veranstaltung opfern und zum Erfolg der Veranstaltung beitragen.

Ich selbst werde das Erlebte nochmal reflektieren und dann für mich entscheiden, welchen Weg ich gehen werde.

In diesem Sinne: immer eine Handvoll Glut unterm Rost!

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