Töpfern auf der Scheibe, ohne Nachricht von Sam

{enthält unbeauftragte Werbung / Nennung}

Mal ehrlich, ist da draußen jemand, der nicht spontan die legendäre Szene aus dem Film „Ghost – Nachricht von Sam“ vor Augen hat? Gut, ich gebe zu, dass es wohl eher die weibliche Bevölkerung trifft, aber egal.
Und ja, als ich das erste Mal vor der Töpferscheibe sass musste ich unweigerlich grinsen und wartete auf den Einsatz der Musik und dass Patrick Swayze (R.I.P) hinter mir Platz nimmt…….seufz.
Ich bin nur froh, dass ich nicht die einzige mit dem fetten Grinsen war.

Jetzt aber die Story von vorne.
Töpfern auf der Scheibe, das wollte ich schon ewig mal ausprobieren. Nun traf es sich, dass die VHS Dortmund tatsächlich einen solchen Kurs anbietet. Eher durch Zufall kamen wir drauf und waren auch dankbar für den Hinweis, dass dieser Kurs immer sehr schnell ausgebucht ist.

Das bedeutete in letzter Instanz, sobald der neue Kursplan im Internet frei geschaltet war, sofort den Finger auf dem „Buchen“ Button drücken. Es gab tatsächlich Leute, die am Stichtag ab Mitternacht ihr Glück versucht haben. Doof war nur, dass die Seite erst in den Morgenstunden online ging.
Wie auch immer, mein Mann hatte Glück und ergatterte einen Platz für mich. Das war ein tolles Geburtstaggeschenk!

Voller Erwartungen und Vorfreude ging es zum ersten Termin. Eine tolle Location (ehemalige Zeche Dorstfeld), super ausgestattete Werkstatt und eine super nette Kursleiterin (Mette) erwartete uns.
Ich muss gestehen, die ersten Schritte mit dem störrischen Ton, der unberechenbaren Töpferscheibe und jeder Menge Matsch waren ganz schön anstrengend und ungewohnt.
Aber je öfter man das ausprobierte, umso mehr gewann man die Kontrolle über den Klumpen Ton. Nicht der Ton ist der Chef sondern DU! Genau das war der Schlüssel zum Erfolg.
Im Verlauf des Kurses merkte man, wie sich das Handling verbesserte und die Ergebnisse immer ansehnlicher wurden. Bei Villeroy und Boch werde ich zwar keinen Job kriegen, aber trotzdem war ich stolz auf die ersten Ergebnisse.

Vom Tonklumpen zum fertigen Teller, Vase, Schüssel etc ist es ein weiter Weg, das mag man gar denken, wenn man sowas in den Regalen stehen sieht. Auch entwickelt man mehr Verständnis für die Preise für handgetöpferte Ware.

  • Man fertigt zunächst das Behältnis.
  • Im nächsten Schritt muss das Gefäß antrocknen, damit man es „abdrehen“ kann. So nennt es sich, wenn der Boden begradigt wird, die Wandstärken angepasst und kleine Korrekturen vorgenommen werden.
  • Wer möchte kann das „ledertrockene“ Werk noch bemalen. Das macht man mit Engobe, das ist eine flüssige Tonmineralmasse mit feinen Farbpigmenten, die aus Porzellan gewonnen werden.
    Damit kann man seinem Werk ein eigenes Gesicht verleihen.
  • Ist das erledigt, folgt der erste Brand, der Schrühbrand. Je nach Tonart variiert die Brenntemperatur.
  • Jetzt ist dein Werk bereit für die endgültige Glasur, die das Werk wasserdicht macht und den letzten Schliff verleiht.

Was sich jetzt so einfach anhört erfordert viel Erfahrung und dauert seine Zeit. Die Trockenzeiten variieren.

Das Glasieren….uiuiuiuiuiui, was für ne schwierige Sache!
Zuerst kann man das schrühgebrannte Gefäß noch mit Schleifpapier bearbeiten um letzte Unebenheiten zu entfernen.
Danach muss der Staub ganz pinibel entfernt werden.

Es gibt so viele Farben und Effekte und die Entscheidung fällt schwer.
Hast du dich endlich für eine Glasur entschieden, fängst der Spaß erst richtig an.
Die Glasur muss gründlich umgerührt werden.

Was sich so einfach anhört und liest, ist in Wirklichkeit für Anfänger gar nicht so trivial.
Du musst auf so viele Dinge achten.

– die Glasur muss gleichmässig auf die Oberfläche.
– es dürfen kein Rotznasen laufen.
– ist die Glasur zu dick, platzt sie ab.
Willst du 2 farbig arbeiten, musst du drauf achten, dass die Glasuren nicht ineinander laufen.
Das Handling ist entsprechend tricky.
Dann muss die Glasur 20 bis 30 min trocknen. Anschließend setzt du die Staubmaske auf und beginnst die Glasur vom Boden des Gefäßes vollständig abzukratzen und zu entfernen. Sonst pappt das Gefäß beim Brennen im Ofen an und lässt nur schwer bis gar nicht ohne Beschädigungen entfernen.
Das ist ne staubige Sache, deshalb die Maske und natürlich Handschuhe.
Kleine Fehler lassen sich in Maßen noch korrigieren, dann ist das Gefäß bereit für den endgültigen Brand.

Dass Glasieren auch richtig schief gehen kann hab ich erlebt….nun, Übung macht den Meister. Die Glasur lässt sich durch intensives Waschen wieder vollständig entfernen und nach dem Trocknen kann Versuch 2 starten.

Leider sind wir mit dem Glasieren (noch) nicht fertig geworden. Dank Corona sind alle weiteren Termine erst mal auf Eis gelegt. Ich kann also noch kein einziges fertiges Exemplar zeigen.
Hoffe aber, dass ich das nachholen kann.

Fazit:
Das hat Spaß gemacht! Man kann sich so richtig einsauen und rumschmieren.
Auch wenn es ein paar Versuche gedauert hat ein halbwegs erkennbares Gefäß zu fertigen, es tatsächlich von der Tagesform abhängig ist, dass ein brauchbarer Gegenstand entsteht, es ist einfach toll. Wie aus einem grauen Klumpen Ton eine Schüssel oder im Fortgeschrittenen-Stadium eine Teekanne entsteht, genial!
Ich werde mich wieder anmelden, soviel steht fest!


… oooooooooh my love……..my darling……… träller……

The Righteous Brothers – Unchained Melody – „Ghost-Nachricht von Sam“

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